Investmentfondskaufmann/-frau - Ausbildung und Beruf

Investmentfondskaufmann/-frau - Ausbildung und Beruf
  • Ausbildungsart
    Duale Ausbildung
  • Ausbildungsdauer
    3 Jahre
  • Gewünschter Schulabschluss
    (Fach-)Abitur
  • Ausbildungsvergütung
    ca. 1.200€ im ersten Jahr und bis zu 1.450€ im dritten Jahr

Berufsbild

Die Finanzmärkte rechnen noch für einige Jahre (jenseits von 2015) mit ungewöhnlich niedrigen Zinsen; daher bietet das klassische Sparbuch zur Zeit keine Vorteile für einen langfristigen Vermögensaufbau, im Gegenteil  das angesparte Kapital wird immer weniger wert solange die Inflationsrate höher ist als der Zins. Die niedrigen Zinsen sollen dagegen Unternehmen einen Anreiz bieten, billiges Geld für Investitionen in die Modernisierung von Produktionsanlagen oder für neue Technologien aufzunehmen und somit gleichzeitig Arbeitsplätze zu sichern oder für die nachwachsenden Generationen anzubieten. Diese Wirtschaftspolitik wiederum stärkt die Ertragskraft von Unternehmen, erhöht deren Eigenkapitalquote und gute Gewinnerwartungen lassen die Börsenkurse steigen.

Während Spareinlagen 2015 einen durchschnittlichen Zinsertrag von 0,15% erzielen, kann man mit den 30 Unternehmen, die im DAX gelistet sind, im Schnitt jährlich 1,5% an Dividendenerträgen erwirtschaften. Diesen Prozentsatz kann man durch geschickte Auswahl besonders erfolgreicher Unternehmen noch erheblich steigern. Veröffentlichte Unternehmensbewertungen von Analysten, Unternehmensmeldungen und politische Ereignisse beeinflussen das Anlegerverhalten kurz und mittelfristig: die Kurse schwanken. Es ist nun eine Frage der Risikobereitschaft, ob man auch kleine, regelmäßige Sparbeträge in nur einem Unternehmen anlegt, an dem man dann als Aktionär ja Miteigentümer ist, oder ob man dies über viele Unternehmen streut. Da jeder Aktienkauf mit Kosten verbunden ist und werthaltige Papiere oft schon teuer sind, erweist es  sich als schwierig mit kleinen Beträgen breit zu streuen. Deshalb kommen die zahlreichen Produkte der Investmentfonds der regelmäßigen Anlage auch kleiner Sparbeträge entgegen, weil hier eine breite Streuung und somit eine bessere Verteilung meist nicht vorhersehbarer Risiken gegeben ist.

Investmentfondskaufleute kaufen und verkaufen an der Börse und können durch Umschichtungen innerhalb des Fonds als professionelle Vermögensmanager/-innen das Risiko verringern, dass Kundenvermögen zu Zeiten einer schwachen Börse deutliche Einbußen erleiden - und lassen in guten Zeiten Vermögen anwachsen. Da es Fonds gibt, die in bestimmte technologische Entwicklungen investieren, in Rohstoffe, in Währungen oder in die Erwartung auf die positive Entwicklung bestimmter Regionen kann jeder nach eigenen Vorlieben und mit der Beratung der Investmentfondskaufleute seine Entscheidungen treffen. Bei größeren Anlagevolumina  stehen  sie durchaus in persönlichem Kontakt mit ihren Kunden.

Investmentfondskaufleute stellen Investments je nach Alter, Vermögenslage und Risikobereitschaft der Anleger zusammen. Die richtige Mischung aus konservativen (hier fast im Sinne des Wortes werterhaltenden Anlageformen), dynamischen Nebenwerten und spekulativen Anlageformen wie Derivaten, die ihrerseits wieder Mischungen aus Optionen und Hebelprodukten sein können, erfordert viel Wissen und Erfahrung. Täglich ist die Nachrichtenlage in die Spekulation auf die Zukunft einzubeziehen. Dabei sind Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil, weil auch internationale Informationsquellen zu berücksichtigen sind. 

Da es zu den Charakteristika eines Fonds gehört, Papiere mehrerer Unternehmen zu bündeln, ist es Aufgabe der Investmentfondskaufleute, die offengelegten Bilanzen der Unternehmen aufzubereiten und dem Fondsmanagement in tabellarischen und grafischen Übersichten als Entscheidungshilfe zur Verfügung zu stellen. Solche Zahlenwerke sind ein Aspekt für Umschichtungen innerhalb eines Fonds.

Nichts ist schwieriger als eine Prognose zu erstellen, besonders, wenn sie in der Zukunft liegt, sagt man scherzhafterweise. Aber genau das ist der Punkt, wenn es gilt politische, wirtschaftliche, ökologische und ethische Faktoren und deren mögliche Veränderungen in die Kaufentscheidungen einzubeziehen. Gerade in dieser Hinsicht gibt es sehr erfolgreiche Fonds, bei anderen wiederum lässt eine positive Entwicklung der Anlage auf sich warten. Welche Relevanz haben Sanktionsmaßnahmen gegen einen wichtigen Handelspartner für Unternehmen, die einen Großteil ihrer Aktivitäten mit dem mit Sanktionen (z.Bsp. Lieferverbot für bestimmte elektronische Bauteile) belegten Staat abwickeln? Hier sind Investmentfondskaufleute gefordert, belastbare Daten für die Entscheidungen des Fondsmanagements zusammenzustellen.

Finanzprodukte wie Fonds müssen attraktiv für den suchenden Kunden dargestellt werden und es sind Vertriebskanäle aufzubauen, die gewährleisten, dass die Zielgruppe auch erreicht wird, das heißt sie muss auch erfahren, dass ein neues Produktangebot vorliegt. Das Vermarkten einer guten Idee ist sicher ebenso wichtig, wie die Erarbeitung eines guten Finanzproduktes.

Die Geldbewegungen innerhalb des Fonds und im Verkehr mit den Kunden müssen transparent dokumentiert werden. Kundendepots sind zu verwalten und die steuerlichen Aspekte bei Ausschüttungen des Fonds sind zu berücksichtigen.

So wie ein im Handelsregister registriertes Unternehmen seine Geschäftstätigkeit umreißen muss, so ist auch ein Fonds gehalten sich innerhalb gesetzlicher Vorgaben zu bewegen. Darauf hat der/die Investmentfondskaufmann/-frau zu achten. Der Wert der Fondsanlage muss für den Anleger tagesaktuell online abrufbar sein, eine Aufgabe die von Investmentfondkaufleuten im Rahmen des Fondscontrolling als laufende Berichtserstattung zu bewältigen ist.

Voraussetzungen

Für den Beruf des Investmentfondskaufmanns brauchst du in der Regel mindestens einen Realschulabschluss, oft sogar das Abitur, da du viel mit Zahlen und finanziellen Themen arbeitest. Aber der Schulabschluss ist nur der Anfang – noch wichtiger sind bestimmte Fähigkeiten und Interessen, die dir in diesem Beruf richtig helfen. Du solltest ein gutes Verständnis für Wirtschaft und Finanzen mitbringen, weil du für die Verwaltung und den Verkauf von Investmentfonds verantwortlich bist. Du analysierst den Finanzmarkt, berätst Kunden und hilfst ihnen, ihr Geld gewinnbringend zu investieren.

Zahlenaffinität ist ein Muss! Du solltest Spaß daran haben, mit Daten und Statistiken zu arbeiten, und ein gutes Gespür für wirtschaftliche Zusammenhänge haben. Außerdem ist es wichtig, dass du dich gut ausdrücken kannst – sowohl schriftlich als auch mündlich –, denn du musst Kunden beraten und komplexe Finanzprodukte einfach erklären können. Da du auch in einem Team arbeiten wirst, ist Teamfähigkeit wichtig, aber auch die Fähigkeit, selbstständig und verantwortungsbewusst zu arbeiten, weil du für die Verwaltung von Fonds und das Treffen wichtiger Investitionsentscheidungen zuständig bist.

Wenn du also ein Interesse an Wirtschaft, Finanzen und Zahlen hast, gerne analysierst und es spannend findest, Menschen zu helfen, ihr Geld richtig anzulegen, dann könnte der Beruf des Investmentfondskaufmanns genau das Richtige für dich sein!

Ausbildung

Die dreijährige Ausbildung findet in der Regel in Kreditinstituten, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Versicherungsgesellschaften statt.  Im Rahmen der dualen Ausbildung erfolgt die theoretische Weiterbildung in der Berufsschule. 

Ausbildungsvergütung

So viel kannst du während deiner Ausbildung verdienen:

1. Ausbildungsjahr: € 1.183 bis € 1.300

2. Ausbildungsjahr: € 1.244 bis € 1.370

3. Ausbildungsjahr: € 1.316 bis € 1.450

Berufseinstieg und Perspektiven

Schon während der Ausbildung sollte man Wert auf erweiterte Fremdsprachenkenntnisse legen.

Investmentfondskaufleute finden ihren Arbeitsplatz in Kreditinstituten, bei Kapitalverwaltungsgesellschaften und an Börsen, ebenso im Versicherungsgewerbe, bei Lebensversicherern oder in der Risikobewertung.

Für das berufliche Fortkommen ist es sinnvoll, die Prüfung als Investment-Fachwirt/in abzulegen.

Mit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Bank, Finanzdienstleistungen erwerben.

Als Investmentberater/-in, Finanzdienstleistungsberater/-in oder Börsenmakler/-in ist der Schritt in die Selbstständigkeit  möglich.

Investmentkaufleute verdienen im Durchschnitt 3.500€ - 4.700€.

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