Berufsorientierungsjahr und Berufsgrundbildungsjahr

Junge Leute sitzen vor Computern© fotostorm / iStock

Das Berufsorientierungsjahr soll Schulabgängern ohne Ausbildungsplatz helfen, einen Einstieg ins Berufsleben zu finden

Wir alle sehnen uns Jahre lang nach unserem Schulabschluss, ist er dann in greifbarer Nähe kommt die Frage: und was dann? Für all diejenigen, die erstmal nicht wissen, wo es hingehen soll, gibt es berufsvorbereitende Maßnahmen (BvB) und darunter fallen sowohl das Berufsorientierungsjahr (auch Berufsvorbereitungsjahr genannt), als auch das Berufsgrundbildungsjahr. Es gibt noch weitere berufsvorbereitende Maßnahmen, doch denen widmen wir uns in einem anderen Artikel. 

Besonders interessant für Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher ist das Berufsorientierungsjahr/Berufsvorbereitungsjahr (BOJ/BVJ), denn hier kann gleichzeitig der Hauptschulabschluss erworben werden. So erlangt man einen wichtigen Schulabschluss und gleichzeitig steigen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz. 

Das BVJ und das BGJ sind staatlich anerkannte Ausbildungen, die an Berufsschulen angeboten werden. Das Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene für eine Ausbildung und gleichzeitig das Berufsleben optimal vorzubereiten. Konkret heißt es in § 12 der Berufsschulordnung: “Das berufsvorbereitende Jahr hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schüler auf den Eintritt in eine Berufsausbildung oder in ein Arbeitsverhältnis vorzubereiten”. 

Welche berufsvorbereitende Maßnahme eignet sich für dich?

Für unter 17-jährige ist es in einigen Bundesländern Pflicht, ein BVJ zu absolvieren, solange noch kein anderer Ausbildungsplatz in Sicht ist. Das BGJ richtet sich an unter 18-jährige, jedoch muss man dafür einen Hauptschulabschluss und die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben – das sind in der Regel acht bis zehn Jahre. 

Beide berufsvorbereitenden Maßnahmen richten sich an junge Menschen unter 18 Jahren. Hast du bereits mindestens den Hauptschulabschluss, dann qualifizierst du dich für ein Berufsgrundbildungsjahr (auch Berufsgrundschuljahr genannt). Doch auch wenn du noch keinen Schulabschluss in der Tasche hast, kannst du an berufsvorbereitenden Maßnahmen teilnehmen. 

Wie unterscheiden sich das Berufsgrundbildungsjahr und das Berufsvorbereitungsjahr inhaltlich?

Das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) / Berufsgrundschuljahr 

Es gilt je nach Fachrichtung als erstes Ausbildungsjahr und wird bei einer späteren Ausbildung auf die Ausbildungsdauer angerechnet. 

Jugendliche, die keinen betrieblichen oder schulischen Ausbildungsplatz gefunden haben, können an der Berufsfachschule in einjährigen Bildungsgängen eine berufliche Grundbildung erlangen. In diesen werden Grundkenntnisse und -fertigkeiten in einem oder mehreren Berufen erworben. Das BGJ gibt es als:

  • einjährige Berufsfachschule für Technik
  • einjährige Berufsfachschule für Informations- und Kommunikationstechnik
  • einjährige Berufsfachschule für Gesundheit und Pflege

Wie ist der Berufsschulunterricht gestaltet und was passiert im Anschluss?

Du wirst während des Ausbildungsjahres allgemeinbildende Fächer wie Deutsch und Mathe haben, aber auch berufsorientierte Fächer wie Wirtschaft. Um das neue Wissen anzuwenden, ist anschließend ein Betriebspraktikum eingeplant. Mit dem Abschlusszeugnis bist du dann optimal für eine Ausbildung vorbereitet und kannst auf die Suche nach deinem Wunschausbilder gehen. Unabhängig für welche Berufsfachschule du dich entscheidest, kannst du im Anschluss an das Berufsgrundbildungsjahr in das zweite Ausbildungsjahr einsteigen. 

Das Berufsvorbereitungsjahr (BOJ) / Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)

Im Unterschied zum BGJ kann das BVJ nicht als erstes Ausbildungsjahr angerechnet werden, da es ausschließlich ein vorbereitendes Jahr sein soll. Es bietet aber für Schulabbrecher und Schulabbrecherinnen, wie vorhin angekündigt, die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Deshalb sind die Voraussetzungen für das BVJ, dass du

  • 1. deine Schulpflicht noch nicht erfüllt hast und
  • 2. noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz bist

Schülerinnen und Schüler können hier ihre Schulpflicht erfüllen und ein berufliches Grundwissen erhalten. Somit soll es der beruflichen Orientierung dienen und gleichzeitig die Ausbildungschancen erhöhen. In Nordrhein-Westfalen wird es als Berufsorientierungsjahr bezeichnet. Teilweise gibt es für Unternehmen eine Ausbildungsplatzförderung, also einen Zuschuss, wenn Absolventen und Absolventinnen aus dem BVJ übernommen werden.

Wie ist der Berufsschulunterricht während des BVJ gestaltet?

Der Stundenplan sieht ganz ähnlich aus, wie der der Schülerinnen und Schüler des BGJ. Es stehen Fächer wie Deutsch und Mathe auf dem Plan, allerdings auch Wirtschaft. Das theoretische Wissen kann zum Ende hin endlich während eines Berufspraktikums angewendet werden. 

Individuelle Förderung von Schülern soll den Einstieg ins Berufsleben erleichtern

Die individuelle Förderung steht bei allen Arten dieser berufsvorbereitenden Maßnahme im Vordergrund. Schülerinnen und Schüler werden somit auch in den Bereichen Sprechen, Lesen und Schreiben gefördert. Weitere Schwerpunkte werden in persönlichen Gesprächen mit den Teilnehmenden festgelegt. Ausführliche Informationen zum Berufsgrundbildungsjahr und Berufsvorbereitungsjahr sowie Hilfen zum Einstieg ins Berufsleben erhältst du auch bei deiner Bundesagentur für Arbeit.

Die Bundesagentur für Arbeit initiiert berufsvorbereitende Maßnahmen und arbeitet mit freien Bildungsträgern zusammen. Das heißt, dass für dich keine Kosten anfallen. Für diejenigen, die finanzielle Schwierigkeiten damit haben, eine Berufsschule in Vollzeit zu besuchen, ist es möglich, finanzielle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch wenn Fahrtkosten auf dem Weg zu der Berufsschule entstehen sollten, gibt es die Möglichkeit, diese erstattet zu bekommen. Informiere dich dafür rechtzeitig bei der Berufsausbildungsbeihilfe (BaB).