Thema Geld

Wenn das Gehalt während der Ausbildung nicht reicht

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Endlich geschafft! Die Schule ist vorbei und das Berufsleben kann kommen. Aber bevor das so richtig losgeht, steht noch die Berufsausbildung an. Blöd nur, dass diese häufig so gering vergütet wird, dass die Lebenshaltungskosten kaum gedeckt werden können. Geht’s dir auch so? Dann findest du hier Informationen und Links, die dir weiterhelfen können.

Was verdient ein Azubi im Durchschnitt?

Das Statistische Bundesamt liefert dazu eine klare Antwort: Auszubildende verdienen im Durchschnitt 1.057 Euro brutto im Monat. Dazu können noch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld kommen, diese sind in den 1.057 Euro noch nicht inkludiert. 

In der Regel wird die Vergütung während der Ausbildung gestaffelt. Das heißt, du verdienst im zweiten mehr als im ersten Ausbildungsjahr und im dritten mehr als im zweiten. Der Durchschnitt könnte also so aussehen:

  1. Ausbildungsjahr: 957 € 
  2. Ausbildungsjahr 1.057 €
  3. Ausbildungsjahr 1.157 €

67 % der Auszubildenden wohnen während ihrer Ausbildung bei ihren Eltern zuhause und haben dementsprechend geringere Lebenshaltungskosten. Zu Lebenshaltungskosten gehören übrigens finanzielle Belastungen wie Miete, Lebensmittel, Kleidung, Nebenkosten wie Strom und vieles mehr. Ein Grund, warum viele sich entscheiden, während der Ausbildung bei ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten zu bleiben, ist die teilweise geringe Vergütung. Um eine angemessene Ausbildungsvergütung zu sichern, trat 2020 die Mindestausbildungsvergütung in Kraft.

Der Mindestlohn für Ausbildungen

Seit Januar 2020 sind Ausbildungsbetriebe verpflichtet, die Mindestausbildungsvergütung nicht zu unterschreiten. 2024 gilt folgender Mindestlohn:

  1. Ausbildungsjahr: 649,00 € 
  2. Ausbildungsjahr: 766,00 € 
  3. Ausbildungsjahr: 876,00 € 
  4. Ausbildungsjahr: 909,00 €

Dieser Wert wird jedes Jahr angepasst, denn aufgrund der Inflation und anderen Einflussfaktoren steigen unsere Lebenshaltungskosten und entsprechend muss auch unser Gehalt ansteigen. 

Für 2023 galt noch folgender Mindestlohn:

  1. Ausbildungsjahr: 620 €
  2. Ausbildungsjahr: 731,60 € (620 € + 18 %)
  3. Ausbildungsjahr: 837,00 € (620 € + 35 %)
  4. Ausbildungsjahr: 868,00 € (620 € + 40 %)

Die Mindestausbildungsvergütung (monatlich, brutto) seit 2020 im Überblick:

Beginn der Ausbildung1. Ausbildungsjahr2. Ausbildungsjahr3. Ausbildungsjahr4. Ausbildungsjahr
2020515,00 €607,70 €695,25 €721,00 €
2021550,00 €649,00 €742,50 €770,00 €
2022585,00 €690,30 €789,75 €819,00 €
2023620,00 €731,60 €837,00 €868,00 €
2024649,00 €766,00 €876,00 €909,00 €
Quelle: Deutsche Industrie- und Handelskammer

Für die Berechnung der Mindestausbildungsvergütung gilt immer das Jahr des Ausbildungsbeginns. Das heißt, wenn du die Ausbildung 2023 gestartet hast, bekommst du im ersten Jahr mindestens 620 Euro, im zweiten 620 Euro plus 18 %, im dritten Jahr 620 Euro plus 35 % und im vierten Ausbildungsjahr 620 plus 40 %. Auch wenn 2024 eine andere Mindestausbildungsvergütung gilt. 

Es gibt übrigens zwei Ausnahmen: 

  1. Wenn das Unternehmen einer Tarifbindung unterliegt, gilt diese Mindestausbildungsvergütung nicht. 
  2. Wenn es sich um eine schulische Ausbildung handelt, denn diese werden in der Regel nicht vergütet. 
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Finanzielle Hilfen während der Ausbildung

Für Azubis, die von ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten finanziell unterstützt werden können, reicht diese Mindestausbildungsvergütung häufig. Anders sieht es aus, wenn man nicht mehr bei den Eltern leben kann, weil der Ort der Ausbildung beispielsweise zu weit entfernt ist und/oder den Eltern die finanziellen Mittel für den Unterhalt ihrer Kinder fehlen. 

In diesem Fall hast du unter Umständen Anspruch auf:

  1. Kindergeld
  2. BAföG
  3. Berufsausbildungsbeihilfe (BAB)
  4. Wohngeld 

Kindergeld während der Ausbildung

Kindergeld unterstützt Familien mit Kindern bis zum 25. Lebensjahr. Das heißt, du hast während deiner Schulzeit und während der Ausbildung oder des Studiums Anspruch auf die aktuell 250 Euro pro Monat. 

Das Kindergeld bekommt allerdings nicht das Kind ausgezahlt, sondern die Eltern. Du kannst aber mit deinen Eltern oder Erziehungsberechtigten besprechen, wofür das Kindergeld genutzt werden soll und ob sie es dir möglicherweise direkt auszahlen können. Solltest du das Gefühl haben, deine Eltern nutzen das Kindergeld nicht für deine Kosten, kannst du einen sogenannten Abzweigungsantrag stellen. In dem Fall wird das Geld direkt auf dein Konto überwiesen. 

Weitere Informationen zum Kindergeld sowie den Link zum Antrag findest du hier. 

Sollten deine Eltern oder eines deiner Elternteile nicht mehr leben, hast du stattdessen während der Berufsausbildung Anspruch auf Halbwaisen- oder Waisenrente. Mehr dazu erfährst du bei der Deutschen Rentenversicherung.

Wer bekommt während der Ausbildung BAföG?

Nicht nur während des Studiums hat man Anspruch auf BAföG, sondern auch während der Ausbildung. Und der Vorteil: (Berufs-)Schüler:innen müssen die staatliche Förderung nicht mal zurückzahlen. 

Grundsätzlich haben Eltern Unterhaltspflicht, das heißt, sie müssen die Ausbildung ihres Kindes finanzieren. Nur wenn ihre finanziellen Mittel dafür nicht ausreichen, springt der Staat ein – zum Beispiel mit dem Schüler-BAföG.

Wie hoch die Förderung ausfällt, hängt also unter anderem vom Einkommen der Eltern ab. Wenn die Antragstellerin verheiratet ist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, ist das Einkommen des Partners oder der Partnerin entscheidend. Außerdem spielt das eigene Vermögen eine Rolle. 

Zusätzlich hat der Wohnort der Antragstellerin Einfluss auf die Höhe des BAföGs. Wer alleine wohnt, bekommt mehr als diejenigen, die im Elternhaus wohnen. Dabei wird berücksichtigt, ob der Antragstellende tatsächlich eine eigene Wohnung benötigt, weil die Ausbildungsstätte zu weit vom Elternhaus entfernt liegt. 

Der Bedarf wird so errechnet:

  • Du brauchst 262,00 Euro, wenn du eine Berufsfachschule besuchst und bei deinen Eltern wohnst.
  • Wohnst du nicht bei deinen Eltern, brauchst du insgesamt 632,00 Euro, wenn du eine Berufsfachschule besuchst.
  • Wenn du ein Kind hast, das jünger als 14 Jahre ist und in deinem Haushalt lebt, erhältst du zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag in Höhe von 160,00 Euro für jedes Kind.

Während eines Auslandsaufenthaltes kannst du außerdem Zuschläge für die Reisekosten bekommen.

Es gelten übrigens andere Bedingungen für diejenigen, die schon eine Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufserfahrung gesammelt haben.

Ob du am Ende den BAföG-Höchstsatz (aktuell 903 Euro pro Monat) oder nur einen Teil bekommst, entscheiden die oben genannten Bedingungen wie Einkommen der Eltern, Vermögen und so weiter. 
Den BAföG Antrag kannst du online über den Link stellen.

Was ist Berufsausbildungsbeihilfe?

Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) kann beantragen, wer während der Ausbildung nicht mehr bei den Eltern wohnt. Der monatliche Zuschuss von bis zu 781 Euro wird von der Agentur für Arbeit ausgezahlt. Du kannst keinen Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe, wenn du:

  1. Eine schulische Ausbildung machst (z. B. Physiotherapie, Erzieher:in usw)
  2. Wenn du eine vergleichbare Leistung einer anderen Behörde erhältst (z. B. BAföG oder Wohngeld)

Anspruch hat, auf wen mindestens einer der folgenden Fälle zutrifft:

  1. Du nimmst an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teil und bereitest dich unter Umständen parallel auf einen Hauptschulabschluss oder einen gleichwertigen Schulabschluss vor.
  2. Du absolvierst eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und dein Ausbildungsbetrieb ist zu weit von deinem Elternhaus entfernt, um zuhause wohnen zu bleiben.
  3. Du absolvierst eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf. Außerdem bist du volljährig oder verheiratet beziehungsweise lebst mit deinem oder deiner Partner:in zusammen.
  4. Du absolvierst eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf und hast mindestens ein Kind und lebst nicht in der Wohnung deiner Eltern.
  5. Du bist aktuell in der ausbildungsvorbereitenden Phase einer Assistierten Ausbildung (AsA).

Übrigens: Bei deinem Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe gelten besondere Regeln, wenn du eine Behinderung hast.

Wenn du Berufsausbildungsbeihilfe beantragst, wird die Höhe deiner Ausbildungsvergütung, das Einkommen deiner Eltern oder auch Ehe- oder Lebenspartner:in, Freibeträge und Zusatzbedarfe berücksichtigt. Danach wird die Höhe deines Anspruchs berechnet. 

Den Antrag auf Berufsausbildungsbeihilfe stellst du hier. 

Für den Antrag brauchst du folgende Unterlagen:

  • Deinen Ausbildungsvertrag
  • Ein Dokument, das nachweist, wie hoch deine Ausbildungsvergütung pro Monat ist. Ein solches Dokument kannst du bei deinem Ausbildungsbetrieb beantragen.
  • Den Steuerbescheid oder die Jahreslohnbescheinigung für das vorletzte Kalenderjahr deiner Eltern oder deines:deiner Ehe- oder Lebenspartner:in.

Für alle Ungeduldigen, die schon vor der Antragstellung wissen möchten, ob sie Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe haben, gibt es den BAB-Rechner. Dort gibst du dein Alter, deine Wohnsituation, deinen Arbeitsweg, deinen Familienstand, deinen Tagessatz für Verpflegung und Unterkunft, deine Pendelkosten und ein paar Infos zu deiner Ausbildungsvergütung ein und erfährst am Ende, ob ein Anspruch besteht.

Wer bekommt Wohngeld-Plus?

Generell gilt: Wer bereits BAföG oder BAB bezieht, hat keinen Anspruch auf Wohngeld. Wenn du aber Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragt hast und abgelehnt wurdest, weil du nicht die Voraussetzungen erfüllst, kannst du als Auszubildender unter Umständen Wohngeld beantragen. Dies gilt, wenn du deine zweite Ausbildung machst, an deinem Ausbildungsort eine Wohnung gemietet hast und mindestens 18 Jahre alt bist. 

Es gibt allerdings noch ein paar Ausnahmen. Wenn einer der folgenden Punkte auf dich zutrifft, hast du unter Umständen doch noch Anspruch auf Wohngeld:

  1. Wenn du ein Kind hast, könnte dieses Anspruch auf Wohngeld haben. 
  2. Wenn du BAföG oder BAB in der Vergangenheit bezogen hast, diesen Zuschuss aber nicht mehr bekommst. Dies ist der Fall, wenn die Förderungshöchstdauer überschritten oder die Ausbildung abgebrochen wurde. Auch Azubis, die das Ausbildungsverhältnis ohne berechtigten Grund abgebrochen haben, dürfen Wohngeld beantragen.

Wie bekommt man als Azubi Wohngeld?

Wohngeld ist eine staatliche Leistung, die dir hilft, deine Wohnkosten zu decken. Um Wohngeld zu bekommen, musst du ein Mindesteinkommen nachweisen, mit dem du deine Lebenshaltungskosten (abzüglich der Miete) monatlich abdecken kannst.

Wie viel Wohngeld du bekommst, hängt vor allem davon ab, wie viel Geld du als Azubi verdienst. Es kann aber auch vom Einkommen der Personen abhängen, mit denen du zusammen wohnst. 

Zum Einkommen, das für die Berechnung deines Wohngeldanspruchs berücksichtigt werden, gehören neben deinem Gehalt auch Waisenrente und Stipendien.

Herausfinden, ob du als Azubi Anspruch auf Wohngeld hast, kannst du auf der Seite des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Hier geht’s zum Wohngeld-Plus-Rechner.

Wenn du aus NRW kommst, kannst du auch den Wohngeld-Rechner für Nordrhein-Westfalen machen. Praktisch ist hier, dass du anschließend den Antrag online stellen kannst. 

Vergleichbare Rechner gibt es auch für Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Saarland, Schlewig-Holstein und Thüringen. Dort kann man allerdings noch keinen Online-Antrag stellen. In der Regel muss man das Wohngeld schriftlich bei der jeweiligen Wohngeldbehörde beantragen. In Baden-Württemberg kannst du den Antrag auf Wohngeld für Azubis ebenfalls online einreichen.

Was, wenn man auf keine dieser Hilfen Anspruch hat?

Es kommt oft vor, dass man keinen Anspruch auf staatliche Hilfe hat, weil die Eltern genug Geld haben, um die finanzielle Unterstützung zu übernehmen. Wenn man sich aber lieber selbst finanzieren möchte oder Streit mit den Eltern vermeiden will, muss man sich unter Umständen nach anderen Möglichkeiten umsehen.

Wer zahlt die höchste Ausbildungsvergütung?

Wer aus diesem Grund nach einer Ausbildung mit vergleichsweise hoher Ausbildungsvergütung Ausschau hält, sollte auf die Unternehmensgröße des Ausbildungsbetriebs achten. 

Eine Erhebung des Statistischen Bundesamts (Destatis, 2023) zeigt: Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt. Bei Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitenden, bekommen Azubis im Durchschnitt 828 Euro. In der Mitte liegen Unternehmen mit 100 bis 249 Beschäftigten. Dort bekommen Auszubildende im Schnitt 992 Euro während ihrer Ausbildung. An der Spitze liegen Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden. Dort bekommen Azubis im Durchschnitt 1.253 Euro. 

Das sollte allerdings nicht ausschließen, dass du dich auch bei kleineren Unternehmen umschaust. Schließlich sind dies Durchschnittswerte und in einigen Fällen kann das Ausbildungsgehalt während des Bewerbungsprozesses verhandelt werden. 

Lebenshaltungskosten als Azubi verringern

Lebenshaltungskosten sind alle Ausgaben, die man im Alltag hat, die quasi unumgänglich sind. Dazu gehören unter anderem:

  • Miete oder Wohnkosten
  • Lebensmittel
  • Kleidung
  • Versicherungen
  • Fahrtkosten
  • Freizeitaktivitäten

In Großstädten sind die Lebenshaltungskosten in der Regel höher als in ländlichen Regionen. Zum Beispiel zahlt man für ein WG-Zimmer in München, Hamburg oder Köln deutlich mehr Geld als in Erlangen, Kassel oder Kiel. Und auch für Fahrtkosten und Freizeitaktivitäten muss man in einigen Großstädten deutlich tiefer in die Tasche greifen. 

Um die Ausbildungszeit finanziell zu stemmen, ist es wichtig, die Kosten zu senken, wo es geht. Dafür haben wir ein paar Tipps zusammengetragen:

  • Wohnen: Verständlich, viele zieht es nach der Schulzeit in die Stadt. Du solltest aber durchrechnen, wie hoch deine Kosten an unterschiedlichen Standorten ausfallen würden. Stadt oder Land? Elternhaus oder WG? Öffentlicher Nahverkehr oder Auto? Wo entsteht Sparpotential?
  • Lebensmittel: Gerade in den letzten Jahren sind Lebensmittel und Restaurantbesuche nochmal deutlich teurer geworden. Vielen hilft es, die Kosten für Einkäufe aufzuschreiben, um einen besseren Überblick zu erhalten. 
  • Mobilität: Wenn möglich, sollte man öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften nutzen. 
  • Freizeitaktivitäten: In vielen Städten gibt es auf Kinobesuche Rabatt. Check also immer, ob du ein vergünstigtes Ticket kaufen kannst. Außerdem gibt es häufig einen Tag im Monat, an dem Museumseintritte kostenlos sind. Hier gibt es reichlich Sparpotenzial. 

Antrag auf finanzielle Unterstützung stellen

Hier findest du alle Anträge und Rechner für Azubis nochmal im Überblick