Was bringt der Mindestlohn in einer Ausbildung?

Mindestlohn für Azubis
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Seit Anfang 2020 ist der gesetzliche Mindestlohn auf 9,35€ die Stunde gestiegen. Endlich ein Grund zu feiern für Minijobber! Und es gibt noch bessere Nachrichten! Die Mindestlohnkommission hat Ende Juni 2020 ihre Empfehlung für die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns für die Jahre 2021 und 2022 beschlossen. Bis 2022 wird der Mindestlohn in vier Schritten von derzeit 9,35 Euro auf 10,45 Euro angehoben. Aber für wen gilt die neue Regelung jetzt und wer profitiert davon? Wir haben für dich alle wichtigen Infos zum Mindestlohn nochmal kurz zusammengefasst.

Kannst du den Mindestlohn in der Ausbildung beziehen?

Seit Anfang Juni verdient jeder Angestellte mindestens 9,35€ die Stunde, was bei einer durchschnittlichen 40 Stunden Woche ganze 1496€ Brutto macht. Klingt auf den ersten Blick zwar paradiesisch, aber leider trifft diese Regelung nicht für Auszubildende zu.

Übrigens: Hier erklären wir dir den Unterschied von Brutto und Netto

Ein Ausbildungsverhältnis ist nämlich kein Angestelltenverhältnis im herkömmlichen Sinne. Die Löhne in einer Ausbildung sind viel eher allmähliche Geldschübe, die den Jugendlichen langsam vom Elternhaus in den eigenen Beruf überführen. Aus diesem Grund sind die Ausbildungsgehälter durchschnittlich sehr gering, wobei in der Regel davon ausgegangen wird, dass dem Jugendlichen noch andere Mittel wie Kindergeld oder Berufsausbildungsbeihilfe zur Verfügung stehen. 

Doch für Azubis ist der Mindestlohn auch nicht gemacht. Er soll vor allem Minijobber und Geringverdiener unterstützen und dafür sorgen, deren Lebensqualität nachhaltig zu unterstützen.

Der Mindestlohn zählt allerdings für diverse Nebentätigkeiten wie Kellnern oder Putzen, aber auch für Praktika. Doch Vorsicht! Auch hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie Arbeitgeber den Mindestlohn umgehen können.

Falls du nach einem Online-Nebenjob suchst, haben wir hier Vorschläge für dich.

In welchen Fällen greift der Mindestlohn nicht?

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer Beschäftigung nach Beendigung der Arbeitslosigkeit
  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung stattfindet
  • Praktikanten, wenn das Praktikum freiwillig bis zu einer Dauer von drei Monaten zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder Aufnahme eines Studiums dient
  • ehrenamtlich Tätige

Diese Schlupflöcher sind mittlerweile bekannt. Doch ist davon auszugehen, dass die Firmen weitere Mittel und Wege finden werden, um den Mindestlohn gekonnt zu umschiffen.

Das Gute daran: Die deutlich günstigeren Azubis steigen wieder im Ansehen der Firmen und viele werden sich in den nächsten Jahren vermutlich überlegen, von den ehemals günstigen studentischen Hilfskräften abzulassen und sich wieder auf leicht zu kalkulierende Auszubildende zu verlagern.