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Veröffentlichungsdatum: 18.12.2014

Finanzen in der Ausbildung - Wissenswertes rund um Finanzen und Versicherungen

Mit dem Ende der Schulzeit und dem Beginn der Ausbildung wird ein neues Kapitel im Leben aufgeschlagen. Schließlich bedeutet die Ausbildung einen großen Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Zum ersten Mal ohne die Unterstützung und Hilfe der Eltern zurechtkommen und auf eigenen Füßen stehen – ein Vorhaben, das gerade in finanzieller Hinsicht auch mit Herausforderungen verbunden ist.

Die Miete der ersten eigenen Wohnung, deren Einrichtung, Telefon und Internet, Mobilität und Lehrmaterial für die Berufsschule, ein voller Kühlschrank oder die Freizeitgestaltung – wer auf eigenen Füßen stehen möchten, für den ist Geld eine unbedingte Voraussetzung.

Leider ist jedoch gerade das in der Ausbildung oft knapp bemessen und die erhoffte Unabhängigkeit gestaltet sich aufgrund der überschaubaren Ausbildungsvergütung schwierig.

Grund genug, sich frühzeitig mit der Finanzplanung auseinanderzusetzen, um den herausfordernden Startschuss in Ausbildung und Selbstständigkeit zu meistern.

Versichern und Vorsorgen während der Ausbildung

Auszubildende stehen vor ganz eigenen Herausforderungen, wenn es um finanzielle Aspekte geht. Zum ersten Mal verdient man so viel eigenes Geld, um damit den Lebensunterhalt größtenteils selbst bestreiten zu können. Gleichzeitig macht man erste Erfahrungen mit grundlegenden Fragestellungen wie den Themen Vorsorge und Versicherungen - Bereiche, die Auszubildende nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Trotzdem ist gerade die Ausbildung jener Moment, in dem man zum ersten Mal an die Zukunft denken muss. Dabei ist streng zwischen Schadensversicherungen und Versicherungen, die eher abstrakte Gefahren absichern, zu trennen. Während zu den Versicherungen, die im Alltag schützen sollten,

  • Privat-Haftpflichtversicherung,
  • Hausratversicherung,
  • Kfz-Versicherung und
  • Krankenversicherung

gehören, fallen in die Sparte der Versicherungen zur Gefahrenabsicherung

  • Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • Erwerbsunfähigkeitstarife,
  • Unfallversicherung oder die
  • Lebensversicherung.

 

Den Alltag richtig versichert

Für Auszubildende ist eine Absicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung aufgrund der Versicherungspflicht nach § 5 SGB V obligatorisch. Da der Gesetzgeber hinsichtlich der Kfz-Versicherung klare Vorgaben macht, ist eine Absicherung bei vorhandenem Pkw in Form der Kfz-Haftpflichtversicherung auch hier Pflicht.

Welche Versicherungen als Auszubildender darüber hinaus abzuschließen sind, hängt von den jeweiligen Rahmenbedingungen ab. Wer weiterhin bei den Eltern wohnt, kann auf die eigene Hausratversicherung in der Regel verzichten. Aber auch im Rahmen der Privathaftpflichtversicherung muss ein Auszubildender nicht unbedingt selbst vorsorgen. Diverse Gesellschaften dehnen ihren Versicherungsschutz auf volljährige Kinder in der Erstausbildung aus.

Übrigens: Auch im Zuge einer Hausratversicherung können Auszubildende sparen – durch den Passus der Außenversicherung. Viele Versicherer arbeiten hier allerdings mit Summenbegrenzungen, beispielsweise in Höhe von 10.000 Euro oder 20.000 Euro je Schadensfall. Dies gilt aber nur, solange kein eigener Haushalt geführt wird.

Vorsorgen für Krankheiten und Unfälle

Unfälle oder Krankheiten können schwerwiegende Folgen haben. Mindert sich die körperliche Leistungsfähigkeit, ist oft auch die Erwerbsfähigkeit bedroht. Je früher mit der Vorsorge begonnen wird, umso günstiger ist meist der Beitrag. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU-Versicherung) ist das optimale Vorsorgeinstrument.

Leider setzen verschiedene Gesellschaften hier einen erlernten und ausgeübten Beruf voraus. Gerade in der Ausbildung eine komplizierte Voraussetzung. Als mögliche Alternative wäre der Abschluss einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung denkbar, die sich allerdings nicht auf einem vergleichbar hohen Leistungsniveau bewegt. Um nach Abschluss der Ausbildung den Schutz auszubauen, ist die Suche nach Tarifen mit Wechseloption in die BU-Versicherung sinnvoll.

Solange keine Familie versorgt werden muss, ist eine Lebensversicherung kein Muss, da deren Hauptzweck in der finanziellen Absicherung von Hinterbliebenen liegt. Auch Unfall- oder Dread-Disease-Tarife gelten während der Ausbildung als verzichtbar, da diese Verträge im Vergleich zur BU-Versicherung nur eine Ausschnittsdeckung darstellen.

Tipp: Auch wenn das Budget in der Ausbildung knapp ist, sollte wenigstens mit kleinen Summen an die Altersvorsorge gedacht werden. Jeder Euro, der jetzt zurückgelegt werden kann, sichert später eine höhere Privatrente.

Clever rechnen & den Alltag meistern

Die Ausbildungsvergütung ist gerade in den ersten beiden Lehrjahren in vielen Branchen alles andere als üppig. Zwar erreichen die Spitzenverdiener unter den Auszubildenden teilweise 800 bis 1.000 Euro im Monat, in vielen Berufen werden Sie am Monatsende allerdings deutlich kleinere Brötchen backen müssen. Trotzdem sind die Kosten für

  • Miete,
  • Telefonrechnung,
  • Strom,
  • Lebensmittel usw.

zu bestreiten. Wie lässt sich auch mit eingeschränkten Mitteln der Alltag bewältigen? Generell sollen Sie sich als Lehrling bzw. Ausbildender im Klaren über die wirtschaftlichen Verhältnisse sein. Der erste Schritt besteht darin, sich einen Überblick zu den Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. Es wird einfach das gute alte Haushaltsbuch aus der Schublade gezaubert.

Die wichtigsten Posten sind hier fixe Ausgabenposten, zu denen beispielsweise die Miete oder das Smartphone gehören. Viele Bereiche, wie etwa Benzin oder Lebensmittel, können leider nur geschätzt werden. Generell ist hier Aufrunden aber empfehlenswerter als ein vergleichsweise knappes Budget.

Tipp: Viele Eltern erhalten nach wie vor das Kindergeld – auch während der Erstausbildung. Als Auszubildender macht es Sinn, mit den Eltern diesbezüglich eine Vereinbarung zu treffen, wie der staatliche Zuschuss das schmale Budget aufbessern kann. Wird das Kindergeld weitergereicht, kann es als fixe Einnahme Berücksichtigung finden.

Clever rechnen & sparen

Mithilfe des klassischen Haushaltsbuchs oder einer entsprechenden App behalten Sie den Überblick zu allen Ausgaben. Auszubildende sollten übrigens auch daran denken, dass Ausgaben in Verbindung mit dem „beruflichen“ Alltag Werbungskosten sein können und damit Vorteile bei der Steuer bedeuten.

Übrigens: Genaues Hinschauen lohnt sich auch beim Thema Girokonto, dem als eine Art „Finanzzentrale“ eine besondere Bedeutung zukommt. Schließlich geht hier nicht nur das Ausbildungsgehalt ein, sondern es werden auch Miete, Handyvertrag & Co. abgebucht. Zudem ermöglichen girocard und Kreditkarte Flexibilität beim Einkaufen. Nicht jede Bank bietet hier allerdings eine kostenlose Kontoführung oder ein leistungsstarkes Azubi-Konto. Darüber hinaus werden auch für verschiedene Serviceleistungen mitunter Gebühren berechnet. Ein Vergleich rechnet sich daher fast immer. Andernfalls wird das Girokonto am Quartalsende schnell zum teuren Spaß.

Auch beim Thema Kreditkarte ist ein genauer Blick wichtig. Hohe Sollzinsen oder Jahresgebühren sind alles andere als optimale Begleiter im Alltag eines Auszubildenden. Ob eine Kreditkarte also unbedingt benötigt wird, sollte genau geprüft werden. Meist reicht die girocard als Begleiter für den bargeldlosen Zahlungsverkehr absolut aus. Eine Alternative bieten außerdem Prepaid-Kreditkarten, die auf Guthabenbasis funktionieren.

Behalten Sie den Überblick und setzen an den richtigen Ecken den Rotstift an, bleibt am Ende vielleicht sogar der eine oder andere Euro übrig. Kapital, das nicht einfach in den Konsum fließen sollte. Auch Auszubildende sind beim Thema Sparen durchaus gut damit beraten, wenn Geld zurückgelegt wird. Ein Tagesgeldkonto bietet die Chance auf Habenzinsen – ohne sich über eine feste Laufzeit binden zu müssen.

Tipp: Als Azubi können Sie die Unterstützung des Lehrbetriebs beim Sparen nutzen. Viele Unternehmen zahlen auch für ihre Auszubildenden vermögenswirksame Leistungen auf ein Anlagekonto ein.

Ausbildung: Eine finanzielle Durststrecke

Die Ausbildung ist oft eine finanzielle Durststrecke. Mit ein wenig Planung, Disziplin und Geduld lässt sich aber auch diese Hürde meistern. Das Haushaltsbuch – beispielsweise als Dokument auf dem Tablet oder als App auf dem Smartphone – ist einer der wichtigen Hilfsmittel.

Darüber hinaus muss Ihnen auch klar sein, welche Versicherungen und Vorsorgeleistungen bereits in der Ausbildung einen Platz haben und worauf Sie diesbezüglich zumindest während der Ausbildung erst einmal verzichten können. Gerade Hausrat- und Haftpflichtversicherung können sich viele Lehrlinge sparen. Geld, das in eine frühe Altersvorsorge fließen kann. Schließlich wird jeder Euro, den Sie sparen und investieren, über die Jahre verzinst.

Kilian Fromeyer

Kilian Fromeyer

Kilian Fromeyer ist Geschäftsführer der Aslander & Fromeyer Vergleichsportale GmbH, die er zusammen mit Janneke Aslander im Jahr 2009 gründete. Den Grundstein dazu legte Kilian Fromeyer auf Basis seiner langjährigen Erfahrung im Finanzsektor bereits im Jahr 2006 durch den Aufbau eigener Online-Projekte. Zusammen mit ihrem Team betreiben Kilian Fromeyer und Janneke Aslander heute verbraucherorientierte Informations- und Vergleichsportale im Finanz- und Versicherungsbereich. Die unabhängigen Vergleiche werden dabei durch weiterführende Informationen, Ratgeber und News ergänzt. Ihrem Servicegedanken getreu, stehen die Experten bei Fragen und Anregungen zudem per Telefon und LiveChat zur Verfügung.